Macht dich Meditation neugierig? Hat Meditation eine besondere Anziehung auf dich? Möchtest du anfangen zu meditieren und weißt noch nicht, wie? Oder wenn du schon länger meditierst, wie hast du damit begonnen?

In diesem Artikel möchte ich meine ersten Meditationen mit dir teilen und wie der Beginn mein Leben nach und nach verändert hat. Vielleicht findest du beim Lesen ja Inspirationen für dich oder erkennst manches aus deinen Erfahrungen wieder.

 

Es begann mit einem Flyer über die „Rückkehr in die Stille“

Wir reisen zurück in meine Semesterferien im Februar 2007.

Ich war damals bereits zwei Jahre regelmäßig im Yoga bei meinem Lehrer Daniel als er eine Woche Retreat in einem Kloster mit Schweigen und Meditation angeboten hat. Das Retreat stand unter dem Titel „Rückkehr in die Stille“ und als ich das auf dem Flyer las, wusste ich sofort, dass ich dahin muss. Stille war super! Und schweigen noch mehr, da ich bei fremden Menschen damals noch recht schüchtern und zurückhaltend war. Also rundum perfekt für mich!

 

Auch das Sitzen will vorbereitet sein …

Ich freute mich riesig darauf. Es war etwas ganz Besonderes für mich. Und ich wollte mich irgendwie darauf vorbereiten.

Der Tagesplan, der auf dem Flyer stand, bestand aus Sitz- und Gehmeditationen, Yoga und einem Zusammensein, in dem mein Lehrer über die Praxis und das sprach, was in dem Moment präsent war. Als ich las, dass wir 40 Minuten und länger am Stück sitzen würden, dachte ich mir: „Darauf sollte ich mich vorbereiten. Das schaffe ich sonst nicht.“

Ich besorgte mir ein Meditationskissen und hatte allein schon totale Freude, es auszusuchen: die Farbe, die Form, das Muster obendrauf. Ich würde ja ziemlich viel Zeit darauf verbringen.

Also mein Sitzkissen war ungefähr eine Woche vor dem Retreat da. Weil ich generell immer gerne vorbereitet zu Kursen oder Seminaren gehe und mich vorher mit dem beschäftige, wozu ich mich angemeldet habe, wollte ich jetzt das Sitzen üben.

So habe ich mich jeden Tag auf mein wunderschönes Kissen gesetzt, in einer kleinen Ecke des Wohnzimmers von meinem damaligen Mann und mir, und habe morgens und abends den Wecker auf 5-10 Minuten gestellt, kurz vor dem Retreat auch mal 15 Minuten.

Ich hatte keine Ahnung vom Meditieren. Daher bin ich einfach nur auf dem Kissen gesessen. Aber allein das hat schon Freude gemacht. Es hat sich ganz besonders angefühlt.

 

Je näher das Retreat, umso größer die Angst

Ungefähr einen Tag vor dem Retreat hatte ich aber auf einmal Bammel. War das die richtige Entscheidung? Was erwartet mich da? Wäre es nicht besser daheim zu bleiben? Eine Stimme in mir meinte auf einmal, dass es besser wäre, nicht mitzufahren und verursachte ein flaues Gefühl der Angst in meinem Bauch.

Da ich mir im Absagen aber – in dem Fall zum Glück – schon immer im Leben schwer getan habe und schon alles bezahlt und organisiert war, bin ich mitsamt diesem Angstgefühl im Bauch dorthin gefahren.

Einführung in etwas für mich ganz Besonderes

Auf dem Retreat im Kloster waren wir eine kleine Gruppe mit einigen, die ich vom Sehen aus den Yoga-Stunden kannte.

Am ersten Abend gab mein Lehrer eine Einführung in die Sitzhaltung, die innere Ausrichtung im Sitzen und die Gehmeditation. Obwohl alles so ruhig war, war es unglaublich aufregend für mich. So als hätte ich Geheimnisse des Lebens erklärt bekommen oder den Schlüssel für etwas ganz Besonderes, das ich aber noch nicht kannte.

Heute kann ich sagen, es war der Beginn der wichtigsten Reise für mich – in ein Leben, das sich von da an aus der Meditation formen durfte und darf. Und dadurch das kostbarste Geschenk für mich.

Aber wieder zurück zu 2007 🙂

 

Abgefahrene Erfahrungen

Woran ich mich noch genau erinnere, ist diese besondere Atmosphäre gewesen: still, tief, respektvoll, liebevoll und trotz schweigen sehr humorvoll.

Jede/r konnte so sein, wie sie oder er ist, mein Nutella (nach dem ich damals noch süchtig war) wurde liebevoll mitaufgenommen (was bei solchen Retreats nicht selbstverständlich ist) und so habe ich mich unglaublich aufgehoben und wohl gefühlt.

Das Sitzen ging für mich prima und als das erste Mal mein Lehrer hinter mir stand als wir meditiert haben, habe ich in meinem Rücken ganz viele Farben und Energiestränge wahrgenommen. Daran erinnere ich mich heute noch. Vor allem, weil ich es in der Form seitdem nicht noch einmal erlebt habe. Das fand ich damals ziemlich abgefahren, vor allem, weil es weg war, sobald Daniel nicht mehr hinter mir stand.

 

Das Universum verliert nichts

Was mein Lehrer gesprochen hat in den Meditationen, im Yoga und im Zusammensein wie in einem Satsang ging sehr tief. Wir TeilnehmerInnen haben zwar nichts gesagt, aber ich hatte das Gefühl, er hat mit seinen Worten alles abgeholt, was so in uns bzw. in mir war.

Es ging dabei viel um die Praxis, aber auch um ganz konkrete Bezüge zum Leben. So flog während einer Meditation eine Fliege durch den Raum. Als sie am Boden saß, hielt Daniel seine Hand über sie. Er wollte sie dann zum Fenster tragen, glaube ich. Doch als er die Hand hob, startete die Fliege durch und flog direkt in ein Teelicht und es war nur noch ein leises Zischen zu hören.

In dem „Vortrag“ danach ging Daniel darauf ein und fragte:

„Was ist das für eine Energie, die durch uns fließt? Die uns lebendig macht, uns pulsiert, uns atmet?
Was geschieht mit dieser Energie in dem Augenblick, wo die Fliege in Kontakt mit der Flamme kommt?
Die Hülle fällt … doch was ist mit dieser Energie?“

Er hat noch weiter darüber gesprochen und es gibt den Text davon in einem seiner Bücher, aber auf dieses Thema möchte ich ein anderes Mal ausführlicher eingehen. Es hat mich total berührt. Und wenn ich zurückdenke, kann ich mich an nicht mehr sehr viel von dem Retreat konkret erinnern. Aber an diesen Tag und diesen Vortrag schon. Der war ganz besonders. Und doch klang es mir nicht fremd. Etwas in mir hat überhaupt nicht in Frage gestellt, was er sagte oder fragte. Möglicherweise auch, weil er so viel Platz geschenkt hat, so dass man durch die Meditationspraxis selbst seine Antworten finden kann.

 

Veränderungen, die nach dem Retreat ins Leben kamen …

Woran ich mich also konkret aus dem Retreat erinnern kann, ist gar nicht so viel, aber das was blieb, hinterließ berührende Spuren in mir: das liebevolle, achtsame Zusammensein, die tiefen Worte von Daniel, das für mich spektakuläre Erleben beim Meditieren, die Stille, das Auf- und Angenommensein, so wie ich war.

Woran ich mich aber besonders erinnere, ist die Zeit direkt nachdem ich von dem Retreat nach Hause gekommen bin:
Ich konnte und wollte morgens kein Radio mehr hören. Was mir morgens geholfen hat, um mich nicht allein zu fühlen und wach zu werden, hat mich nun mehr gestört. Ich war fast gar nicht mehr an meinen Fernsehserien interessiert und damals war ich ein echter Serienjunkie.

Ich habe immer wieder die Ruhe gesucht und habe von da an jeden Tag morgens und abends meditiert. Zwar viel kürzer als auf dem Retreat, also zwischen 10 und 30 Minuten, aber das hat von da an so zu meinem Tag gehört, wie vorher die Lieblingsserie oder das Radio.

Meinen Sitzplatz habe ich dann vom Wohn- ins Schlafzimmer verlegt, damit mein Mann und ich uns nicht gegenseitig stören und dort habe ich von da an direkt neben dem Bett meditiert. Und als meditieren würde ich bezeichnen: die Übungen von Daniel gemacht und mein Leben gespürt. Mit „mein Leben gespürt“ meine ich, dass Meditation für mich in den ersten Monaten wie ein Ventil zur Verarbeitung des Tages war. Auf dem Sitzkissen habe ich erstmal alle Gefühle verarbeitet, die da waren. Und das hat mir dann nach und nach mit den Übungen und dem weiteren gemeinsamen Meditieren mit Daniel gezeigt, was in meinem Leben passt, was ich verändern möchte, wo es mich hinzieht und so weiter. Also von da an, gingen eigentlich alle Prozesse los: innere Erlebnisse und viele Veränderungen in meinem Leben.

Zum Glück waren die Gruppe des Retreats und Daniel auch in München und es gab regelmäßig Kurse und Begleitung. Sonst hätte ich die Schritte der Veränderung in meinem Leben, die aus der Meditationspraxis folgten, nicht so machen können. Das Meditieren allein verändert viel, aber das Begleitetwerden finde ich rückblickend und bis heute für mich unverzichtbar. Nicht aus Abhängigkeit, sondern weil man egal, was man lernt und vor allem, wenn man sich entwickeln möchte, einen Menschen braucht, der schon weiter ist als man selbst. Sonst nimmt man auf dem eigenen inneren Weg unnötige Umwege und Abzweigungen. Aber darauf möchte ich auch an anderer Stelle nochmal eingehen.

 

Dein Take away

Was berührt dich an der Geschichte? Was bedeutet Meditation für dich?
Um in diese Praxis einzutauchen, macht es für mich sehr viel Sinn, das gewohnte Umfeld für ein paar Tage zu verlassen, sich zurückzuziehen und in Begleitung zu meditieren.
Nur sei dir bewusst, dass es möglicherweise einiges verändern kann 😊

 

Ich wünsche dir einen wunderschönen Einstieg in die Meditation oder in ein vielleicht sogar ganzes Retreat dafür!
Deine Brigitte

 

P.S.: Der vollständige Text „Das Universum verliert nichts“ ist im Buch „Rückkehr in die Stille“ von Daniel Hertlein zu finden. Übrigens ist das ganze Buch aus den Mitschriften aus dieser Woche Retreat entstanden und schenkt einen schönen Einblick in die mit dem Leben verbundene Meditationspraxis. https://yogische-lebenskunst.de/produkt/rueckkehr-in-die-stille/