„Es war an einem Heiltag, an dem ich mehr mit Eiern zu tun hatte, als ich anfangs glaubte.

Wir meditierten gemeinsam, Daniel – mein Lehrer – leitete uns an, uns für uns zu öffnen und für unsere und seine geistigen Begleiter, mit deren Hilfe Blockaden in uns gelöst werden können, was wir alleine nicht schaffen. Wo wir uns anvertrauen können und wo uns geholfen werden kann – in dem Maße, wie wir uns öffnen können.

Meine Meditation war relativ stabil im Sinne davon, dass ich gut lange Zeit aufrecht und ruhig sitzen konnte. Nur von den heilsamen Strömen konnte ich wenig spüren – auch als Daniel öfter bei mir war. Es hat sich etwas merkwürdig angefühlt, vor allem, da die anderen Teilnehmer sehr berührt waren. So saß ich und genoss das Sitzen – ich konnte es gerade anscheinend sowieso nicht beeinflussen –, auch wenn es nicht ganz so erhebend war, wie es möglicherweise hätte sein können.

Kurz vor Ende der Meditation kam Daniel zu mir und klopfte an meine Aura. Das heißt er klopfte an das Feld um meinen Körper und machte dabei „Klopfklopf“-Geräusche. Er meinte, ich habe wie eine dünne Eierschale um mich herum. Das könnte tatsächlich die Ursache dafür gewesen sein, dass ich kaum eine Regung wahrnahm. Sein Lachen und sein Humor dabei, ließen mich jedoch nicht schlecht fühlen, sondern es ebenfalls mit Leichtigkeit nehmen.

Nach der Behandlung eines Teilnehmers gab es eine Pause und als Daniel den Praxisraum betrat, hatte er ein Ei dabei und ließ es vergnüglich vor sich auf dem Boden kugeln. Er meinte, dass wäre wie ich im Moment. Mich hat es weder provoziert, noch zum Lachen gebracht – war ich ja schon in einer merkwürdigen Verfassung. Nach einer Gesprächsrunde meinte er vor der Mittagspause zu mir, dass wir das verändern könnten, wenn ich es möchte. Das Gefühl des Alleinseins, des Abgetrenntseins und Verschlossenheit. In dem Augenblick war ich mir tatsächlich unsicher, da es sich nicht so angefühlt hat, als wäre es eine leichte Angelegenheit da hindurchzugehen. Andererseits, wenn nicht jetzt und in seiner Begleitung, wo und wann dann?

Ich überlegte mit mir und suchte mir nach der Pause bewusst einen Platz neben einem mir vertrauten Menschen, bei dem ich mich wohlfühlte und zu dem ich eine nahe Verbindung spürte. Als die Meditation begann, stellte ich meiner Seele die Frage, wie es ihr geht, so wie Daniel es am Tag zuvor angeleitet hatte. Und dann war es zu spät noch irgendetwas an dem energetischen Prozess aufzuhalten. Es brach aus mir heraus, ich bekam keine Luft mehr, konnte nicht mehr ausatmen, alles war dunkel und ich in einem Seelengefühl allein. Daniel war da und begleitete mich und die Reaktionen meines Körpers und half meiner Seele, diesen schon sehr langen tiefen Schmerz in mir auszuagieren, damit mein Herz davon frei wurde.

Nach einer unschätzbaren Zeit beruhigte sich alles in mir. Kurz vor dem Ende der Meditation hörte ich, wie die Eierschale platzte und sah später als ich aufstand, dass Daniel mir das aufgeschlagene Ei auf einem Teller neben mich stellte.

Der Heiltag ging zu Ende und ich überlegte, was ich mit dem Ei nun machen soll. Ich wollte es seiner Familie nicht wegnehmen und gleichzeitig wäre es komisch, es ihnen wieder vor die Türe zu stellen, da es ja doch einiges von Energie von mir hatte – war zumindest mein Gefühl.

So transportierte ich es nach Hause, machte mir eine Pfanne warm und habe das Ei darin gebraten – und konnte es kurz darauf genüsslich in mir aufnehmen und mich davon sättigen lassen.“