Der Körper ist ein unglaublich authentischer Begleiter. Er bringt sich sehr ehrlich zum Ausdruck, wenn etwas „passt“ oder „nicht passt“. Nur, erlauben wir uns, auf ihn zu hören? Oder meinen wir, es besser zu wissen, ihn zu manipulieren, uns passend machen zu müssen?

In diesem Artikel möchte ich auf ein Thema eingehen, das mich über sehr viele Jahre begleitet hat. Ich habe zwei Partnerschaften gelebt, in denen meine sexuelle Energie nicht gut fließen konnte. In diesen Jahren habe ich das Vertrauen zur Natürlichkeit dieser Energie und zur Sprache meines Körpers zum großen Teil verloren. Viele Fragen und ein Gefühl des Nicht-richtig-seins blieben zurück und ich habe einige Zeit und viel innere Arbeit gebraucht, um wieder zu meiner Natürlichkeit zurückzukehren.

Vielleicht hilft dir und inspiriert dich dieser Artikel auf deinem Weg oder in deiner momentanen Situation.

Mal „zu wenig“, mal „zu viel“ – über das Forcieren und Zurückhalten der Energie

Uns anders haben zu wollen, an uns herumzudoktern, bringt nicht sehr viel außer noch größere Blockaden. Je mehr ich das nämlich getan habe, umso weiter entfernte ich mich von meiner Natürlichkeit und die Energie konnte kaum noch fließen. Mir hat es also zumindest weder Heilung, eine erfüllte Beziehung oder die Befreiung der Energie gebracht.

In einer sehr langjährigen Beziehung, die auf zwischenmenschlicher Ebene super lief, konnte ich mich für meinen Partner sexuell nicht mehr tief öffnen. Egal, was wir ausprobiert haben – auf zwischenmenschlicher oder körperlicher Ebene, wie Unterwäsche, Übernachtung in einem Hotel mit erotischen Zimmern, Massagekure und -videos, entspannende Urlaube und vieles mehr … es war nicht sehr viel zu machen. Es war okay für uns, aber eben nur okay. Bis die Energie für mich nicht mehr spürbar war. Ich fühlte mich über sehr lange Zeit wie abgeschnitten von meinem Unterleib. Die Yoga- und Meditationspraxis und insbesondere mein Lehrer haben mich das immer wieder spüren lassen.

Damals habe ich mich noch nicht viel mit anderen Menschen über Sexualität ausgetauscht und bin entweder davon ausgegangen, dass ich „falsch“ bin oder dass ich einfach ein Mensch mit wenig Lust bin. In den Gesprächen, die ich hatte, wurde das „Falschsein“ noch bestätigt – im Nachhinein betrachtet von Menschen, die selbst ihre Sexualität nicht erfüllend lebten. Da ich in meiner Familie sah, dass man deswegen trotzdem zusammenleben konnte, haben wir uns eine Weile damit abgefunden. Bis ich immer depressiver wurde und es meinem Partner gesundheitlich immer schlechter ging.

Da wir beide spirituell praktizierten und von unseren Lehrern immer wieder auf diesen Zustand angesprochen wurden, konnten wir nicht umhin, uns dem zu stellen.

Auf Anraten meines Lehrers habe ich eine Woche bei einer Freundin verbracht, die mir ein Zimmer ihrer Wohnung zur Verfügung gestellt hat. Sobald ich dort war, spürte ich meinen Unterleib wieder und meine volle Lust. Wow. Das war sehr beeindruckend. Ich genoss es, diese Lebendigkeit in mir wahrzunehmen, es war ein völlig neues Lebensgefühl. Als ich nach dieser Woche wieder in die gemeinsame Wohnung meines Partners und mir zurückkam, fühlte ich ab dem Bauchnabel abwärts wieder nichts mehr, es war wie tot dort unten.

Wir versuchten es dennoch eine Weile, weil wir uns nicht trennen wollten. Aber mein Körper wollte nicht. Das Gefühl, nicht zu „funktionieren“ oder nicht „richtig“ zu sein, war immer präsent. Selbst wenn in der anderen Wohnung oder bei der Energiearbeit meines Lehrers die volle Lebendigkeit erlebbar war. Zu akzeptieren, was der Körper mir zeigte, fiel mir damals gar nicht leicht. Ich spürte nun, dass körperlich alles passte, dachte aber, ich sei falsch, weil ich es in der Beziehung nicht hinbekomme.

Hier schreibe ich nur aus meiner Perspektive. Aber für meinen Partner war es mindestens ebenso quälend und das war mir bewusst. Er wusste nicht, wohin mit der Energie, wurde immer wieder von mir zurückgewiesen, musste die Energie unterdrücken …

Heute sind wir beide glücklich. Er hat eine wunderbare Frau und ein Kind und ich lebe frei meine Körperlichkeit.

Mein Lernen sollte in dieser Phase offensichtlich weitergehen 😊, denn so kam ich von dem einen Extrem bald in ein anderes Extrem. Ich war recht bald mit einem anderen Mann zusammen, bei dem mein Körper reagierte, wie ich es die Jahre davor lange nicht mehr erlebt habe. Auf ganz natürliche Weise, ohne Bemühungen. Im Laufe dieser Beziehung entwickelte es sich allerdings bald wie in meiner Beziehung davor, nur mit getauschten Rollen. Ich wollte und konnte körperliche Nähe leben, aber mein Partner eher weniger.

Ich kann leider gerade wieder nur aus meiner Perspektive schreiben. Was zurückblieb, als er sich von mir trennte, war ein Gefühl, einem Mann mit all meiner Lust und Leidenschaft nun zu viel zu sein.

Das Gefühl, als Frau und in meiner Sexualität „zu wenig“ oder „zu viel“ zu sein, hat mich lange geprägt. Ich habe nach diesen beiden Beziehungen erstmal viel praktiziert, Meditation, Yoga, mein Herz ergründet, mich von meinem Lehrer begleiten lassen und meine Sexualität mit mir genossen. In dem Genießen der Sexualität mit mir selbst, habe ich mich sehr gut kennengelernt, energetisch mit mir selbst gearbeitet und immer mehr zu mir und meiner Natürlichkeit zurückgefunden.

Als ich so bei mir war, traf ich einen Mann, bei dem ich alles sein konnte: zurückhaltend, leidenschaftlich, verletzlich, lustvoll, alle Facetten, die gerade da waren. Wir verlebten viele Stunden über Monate hinweg auf körperlicher Ebene miteinander. Stunden, in denen bei mir viel heilen konnte. Auch wenn ich all meine mir bis dahin bekannten Facetten in mir angenommen hatte und gut mit meiner Sexualität sein konnte, war es doch unglaublich heilend, nährend und euphorisierend, dies auch mit einem Mann zu teilen, der das ebenfalls genoss.

 

Wie Erfahrungen zu Glaubenssätzen werden, die die Energie ebenfalls blockieren

Während meinen Beziehungen haben sich in mir Überzeugungen entwickelt und aus diesen Überzeugungen bestimmte Emotionen. Die Überzeugungen aus der ersten Beziehung, wie „Ich bin falsch“, „Bei mir fließt die Energie halt eben nicht“, „Ich bin zu wenig“, „Ich muss mit einem Mann schlafen, damit zumindest er sich nicht zurückhalten muss“ und wahrscheinlich noch einige mehr haben sich immer mehr festgesetzt und Emotionen wie Resignation, Wut auf mich und den Mann und Traurigkeit ausgelöst. In der darauffolgenden Beziehung kamen Überzeugungen hinzu wie „Meine Leidenschaft ist zu viel“, „Ich bin nicht attraktiv“ und so weiter.
All das, weil ich eigentlich der Weisheit der Energie und meines Körpers nicht vertraut habe. Beide Verbindungen waren nicht als Beziehungen für mich gedacht und das konnte ich nicht klar fühlen oder akzeptieren. Daraus schlussfolgernd habe ich mich für beide Männer versucht, passend zu machen – was natürlich und zum Glück nicht funktioniert.

Das Alleinsein und das Praktizieren mit meiner Energie, das Mich-kennenlernen und Sein-lassen haben letztendlich wieder das Vertrauen in mich und die Intelligenz der Energie und des Körpers wachsen lassen. Ich suchte dadurch nicht im Außen nach einem „Ok“ und konnte mich vielmehr mit mir selbst vertraut machen.  Aus dem heraus konnte ich dann anderen Männern klarer begegnen, spüren, was mir gut tut, was in der Verbindung möglich ist, ohne mich dabei richtig oder falsch zu fühlen. Die Erfahrungen des Ok-seins in Verbindung halfen mir natürlich dennoch noch mehr, die Glaubenssätze aufzulösen und ein heilsames Beisammensein zwischen Frau und Mann zu genießen, in dem alles natürlich fließen darf.

 

Meine Learnings

Was ich in dieser Zeit am meisten gelernt habe, ist aufzuhören an mir herumzudoktern, mich anders haben zu wollen als ich bin, zu denken, meinen Körper manipulieren zu können, meine Energie kennenzulernen und dem zu folgen, wo meine Energie hinmöchte, wo bzw. mit wem sie in Resonanz geht und heilsam gelebt werden kann. Darauf zu achten, welche Signale mir mein Gegenüber sendet und ehrlich in mich und die Situation hinzuschauen, auch wenn ich mir manches in dem Moment anders wünsche. Zu sehen, was natürlich da ist und was nicht. Und wie schnell sich Erfahrungen zu Glaubenssätzen festsetzen und wie die Zeit und Praxis mit sich, diese wieder auflösen kann.

 

Willkommen Natürlichkeit!
Deine Brigitte